Designerhund (Hybridhund)

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Ein weiterer Trend gegen den Rassefrust ist in der zunehmenden Beliebtheit von sogenannten Designerrassen oder Hybridrassen zu erkennen. Dabei werden zwei Elterntiere aus verschiedenen »reinen« Rassen miteinander verpaart, um besonders wertvolle Eigenschaften zu verbinden und gleichzeitig Nachteile der Reinrassigkeit zu umgehen.

Bekannte Designerhunde: – Boxador – Buggle / Beabull – Catahoula Bulldog – Cavapoo / Cavoodle – Cockapoo – Doxiepoo – Goldendoodle – Labradoodle – Maltipoo/Moodle – Puggle – Shih-poo – Schnoodle – Westipoo – Yorkiepoo – Tibet Doodle

Auch hier werde ich ein Fachmann Prof. Dr. Achim Gruber zu Wort kommen lassen.

Pudel sind dabei beliebte Kreuzungspartner, da sie als besonders gesund, intelligent, wesensangenehm und sogar hypoallergen gelten. Kombiniert wird mit einer anderen Rasse, deren Fellfarbe, Größe, Kopfform oder was auch immer man einbringen möchte. Bezeichnungen wie Labradoodle, Schnoodle und Golden Doodle verraten leicht die andere Elternrasse. Ein Puggle entsteht aus Mops x Beagle (engl. Pug für Mops), ein Maltipoo aus Malteser x Zwergpudel und ein Chug aus Chihuahua x Mops. An den Haaren herbeigezogen wird es bei Affenhuahuas – Affe

steht hier für Affenpinscher, nicht etwa für kleine Primaten –, Affenpoos, Affentzus, Affenpugs und Affenshires. Heute sind über eintausenddreihundert solcher Kombinationen bekannt. Bei rund dreihundertfünfzig VDH- oder FCI- anerkannten Hunderassen – einschließlich der vorläufig anerkannten – ist die Zahl der möglichen Kombinationen rechnerisch noch sehr viel höher. Aber die Entwicklung der Hybridrassen steckt ja auch erst in den Welpenschuhen. Bei näherer Betrachtung dämpfen einige Details die Euphorie. Zunächst sind die Begriffe irreführend, denn es handelt sich nicht um neue Rassen, sondern um Hybride in der ersten Generation und in allen folgenden Generationen um simple Mischlinge. Aus genpathologischer Sicht ist das sehr zu begrüßen, jedoch fällt der Wert eines Mischlings gegen den eines Rassehundes beim Kaufpreis und auch in der öffentlichen  Wahrnehmung leider deutlich ab.

Umso erstaunlicher ist, dass diese neuen Zuchtformen teurer sein können als ihre reinrassigen Ursprünge. Von einer Rasse, also »echten Papieren«, sprechen wir erst nach einer förmlichen Aufnahme in den Olymp durch VDH oder FCI. Die Voraussetzungen dafür sind streng und können zumeist erst nach weit über zehnjähriger Reinzucht mit etwa eintausend lebenden Hunden aus mindestens acht separaten Zuchtlinien erfüllt werden, die einem einheitlichen Standard entsprechen. Davon sind die meisten heutigen Designermischlinge weit entfernt. Auch der Begriff Hybridrasse ist zwar ein netter Versuch einer Namensfindung, jedoch paradox. Ein Tier ist entweder reinrassig oder ein Mischling; ein Hybrid ist ein Mischling in der ersten Generation. Beide Definitionen schließen sich gegenseitig aus. Man ist rein oder unrein, und ein bisschen rein ist immer unrein.

Der Unterschied besteht nicht nur sprachlich, sondern offenbart sich eindrucksvoll genetisch durch ein »Auseinanderwachsen« in der zweiten Nachkommengeneration, also bei den Enkeln der vermischten Hochadelgroßeltern. Die Enkelwelpen, also die Welpen der Hybride, zeigen auffallend unterschiedliche Farben, Felleigenschaften, Körperformen oder Wesenszüge durch ungleichmäßige Verteilungen der Gene. Leider entstehen dabei auch nicht wenige Nachkommen, die dem gewünschten Kreuzungsziel so gar nicht mehr entsprechen. Von Design kann man da nicht mehr sprechen, eher von Wildwuchs. Aus Sicht des Pathologen ist das gut! Züchter der Designermischlinge geraten daher oft in Erklärungsnot, wenn sich Interessenten den »typischen« Labradoodle ab der Enkelgeneration aussuchen wollen oder sich allein anhand des Aussehens der Maltipoo-Eltern einen Welpen bereits vor seiner Geburt

reservieren lassen. Die Würfe sind bunt, und viele Welpen ähneln den Eltern nicht in dem gewünschten Ausmaß. Schon Gregor Mendel kannte die genetischen Grundlagen für das Auseinanderwachsen von Hybriden ab der Enkelgeneration, ohne je einen Designerhund gesehen zu haben. Ähnlich wie beim Merle-Hund liegt der Schlüssel in der Gewusst-wie-Zucht. So sollten die gewünschten Designer- oder Hybridhunde immer direkt aus den rein-, aber verschiedenrassigen Eltern neu gezüchtet werden, nicht durch Verpaarungen der Hybride oder ihrer Nachkommen untereinander. Alles andere wäre der Weg zu einer neuen Rasse über einen genetischen Flaschenhals und Inzucht. Und genau das ist zu vermeiden. Manchmal ist zu lesen, dass durch Kreuzungen automatisch gesündere Hunde entstehen, denn Mischlinge seien ja immer gesünder. Wir nennen das Heterosis-Effekt, wenn in der ersten Nachkommengeneration

Nachkommengeneration – also den Hybriden – aus zwei verschiedenen, aber reinrassigen Eltern tatsächlich einheitlich gesündere, widerstandsfähigere und fruchtbarere Tiere hervorgehen. In der nächsten Generation nach Verpaarung der Hybriden untereinander geht dieser Effekt jedoch schon wieder verloren, die Krankheitsanfälligkeit steigt wieder. Welpen von Hybriden darf man auch nicht mehr als Hybride bezeichnen, es sind dann »nur noch« Mischlinge, deren Gesundheit stark variieren kann. Die echten, also wirklich gesünderen und dem gewünschten Design entsprechenden Hybriden haben definitionsgemäß immer verschieden reinrassige Eltern. Und noch ein weiteres Problem wird bei Designer- oder Hybridhunden oft übersehen. Manche Defektgene machen schon krank, wenn nur eine Kopie in den Chromosomen vorliegt, selbst wenn die andere Kopie

intakt ist. Dazu zählen die Chondrodystrophie (Kurz- und Krummbeinigkeit) mit Neigung zur Querschnittslähmung beim Dackel sowie die polyzystische Nierenkrankheit des Bullterriers. Hybride dieser Rassen – Dackbulls oder Buckels? – können demnach beide Krankheiten entwickeln und doppelt leiden. Auch der Merle-Faktor macht keinen Unterschied zwischen Reinrassigkeit, Hybrid- oder Mischlingsstatus der Eltern. Werden zwei reinrassige Merle-Faktor-Träger aus verschiedenen Rassen verpaart, dann wird etwa jeder vierte Welpe ein Designerhund-Weißtiger sein. Dasselbe gilt für Hybrid- und Mischlingsverpaarungen. Heterosis-Effekte wirken für derartige Defektgene nicht, und auch Hybride und Mischlinge sind in diesen Fällen nicht gesünder als blaublütiger Hochadel. Die Kreation von Designerhunden macht hier keinen Unterschied.

Insgesamt werde ich bei jeder neuen Form von »Design von Tieren« ganz vorsichtig, denn dieses Konzept führte bereits zu zahlreichen Extrem- und Inzuchten, die so viel Elend beschert haben. Auf den zweiten Blick wird Design bei Tieren oft zu Pathologie. Viel sympathischer ist mir das Design von Halsbändern, Leinen und Körbchen, die meinetwegen auch passend zum Tier entworfen werden. Accessoires für Tiere zu designen scheint mir ratsamer, als Tiere zu Accessoires für den Menschen zu formen. 

 

Das Kuscheltierdrama:

Ein Tierpathologe über das stille Leiden der Haustiere
(Deutsch) Gebundenes Buch